
Anna, Bea und Caro arbeiten in der Verwaltung. Die drei teilen sich ein Büro, in das regelmäßig Personen mit ihren Anliegen kommen. Die Besucher gehen dann ungefragt zur jeweiligen Ansprechpartnerin. Dort angekommen, stehen sie direkt an der Schreibtischkante und haben oft freien Blick auf Unterlagen, Bildschirm und Privates. Anna, Bea und Caro fühlen sich dadurch unwohl und können sich nur schlecht auf das Anliegen der Besucher konzentrieren.
Das persönliche Territorium
Vielleicht kennst du das Problem: Eine ungünstige Raumaufteilung im Büro kann die Produktivität nach unten ziehen. Im eben genannten Beispiel liegt die Ursache darin, dass die Besucher ständig das persönliche Territorium der drei Kolleginnen verletzen. Mit persönlichem Territorium ist der Raum gemeint, den eine Person als ihren eigenen empfindet (Altman, 1975). Es ist ein menschliches Grundbedürfnis, Räume in Besitz zu nehmen und nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Das persönliche Territorium gibt uns das Gefühl von Kontrolle und Sicherheit. Dort fühlen wir uns wohl. Notfalls sind wir auch bereit, unser persönliches Territorium gegen andere zu verteidigen.
Verletztes Territorium bedeutet Stress
Bei Anna, Bea und Caro dringen die Besucher also regelmäßig in ihr persönliches Territorium ein. Wenn das persönliche Territorium während der Arbeit verletzt wird, muss das Gehirn ständig zwischen sozialen, inhaltlichen und emotionalen Aufgaben hin- und herspringen. In den Köpfen der drei sieht es dann ungefähr so aus: Bleibe freundlich und kümmere dich um das inhaltliche Thema, aber sorge gleichzeitig dafür, dass der Besucher deinen persönlichen Raum verlässt, weil dann das schlechte Gefühl wieder weggeht! Das ist auf Dauer sehr anstrengend und stört bei der eigentlichen Arbeit. Die Kolleginnen überlegen gemeinsam, was sie tun können, und finden schließlich eine Lösung: Sie gestalten ihr Büro hirnfreundlicher!
Schutzmauern und neutrale Orte
Als Erstes stellen sie einen Pflanzkasten als „Schutzmauer“ an jeden Schreibtisch. So haben sie einen Sichtschutz und Besucher können nicht mehr direkt auf sie zusteuern. Zweitens platzieren sie einen Stehtisch im Eingangsbereich. Auf dem Tisch steht ein Schild mit der Aufschrift Bitte hier warten – wir kommen gleich. Dadurch haben die Besucher eine eindeutige Anlaufstelle und der erste Kontakt findet auf neutralem Boden statt. Anna, Bea und Caro sind nun deutlich konzentrierter bei der Arbeit und fühlen sich viel besser.

Ein paar einfache Schutzmaßnahmen
Wenn es dir ähnlich wie den dreien geht, gibt es eine gute Nachricht. Du kannst dein persönliches Territorium am Arbeitsplatz durch einfache Maßnahmen schützen:
- Blickschutzfolien für Monitore anbringen
- Natürliche Abgrenzungen aufstellen (Pflanzen, Regal, Theke, Stellwände etc.)
- Besucherzeitfenster einführen
- Beschilderung am Eingang aufhängen (z. B. „Ich habe in 10 Minuten Zeit für Sie“ oder „Bitte klopfen und kurz warten“)
Fazit: Mit Raumkonzept zum Denkort
Wenn andere das persönliche Territorium am Arbeitsplatz verletzen, führt das regelmäßig zu Stress und weniger Produktivität. Schon kleine Veränderungen wie ein Sichtschutz aus Pflanzen oder Kontaktflächen auf neutralem Raum können Abhilfe schaffen. So wird mit ein paar Kniffen aus einem stressigen Büroraum ein Ort, an dem Denken leichter fällt.
Literatur
Altman, I. (1975). The environment and social behavior: Privacy, personal space, territory, crowding. Monterey, CA: Brooks/Cole.