
Als kleiner Junge habe ich es geliebt, mit Lego* zu spielen. Zum Geburtstag oder an Weihnachten habe ich mich riesig gefreut, wenn ich wieder einen neuen Bausatz geschenkt bekommen habe. Dann hieß es: Karton öffnen, Kunststoffbeutel aufreißen und mit Hilfe der Anleitung den Inhalt zusammenbauen. Gerade bei großen Bausätzen – etwa der Ritterburg, der Polizeistation oder dem Piratenschiff – war ich oft lange damit beschäftigt, aus dem Teilechaos die richtigen Steine herauszupicken. Das Bauen mit Lego war eine großartige Sache! Manchmal musste ich mich aber auch ärgern. Das war der Fall, wenn ich (gefühlt) 20 Schritte zuvor ein falsches Teil verbaut hatte. Dann durfte ich die Konstruktion wieder zerlegen, um meinen Fehler zu korrigieren.
Tüten mit Zahlen darauf
Vor Kurzem bekam ich wieder einmal einen Legobausatz zwischen die Finger. Ich öffnete die Packung und stellte überrascht fest: Die Teile für einzelne Baugruppen sind jetzt in nummerierten Tüten verpackt. Das macht es deutlich leichter, den Überblick zu behalten, und man findet das gewünschte Teil viel schneller. Ein wunderbarer Anwendungsfall von kognitiver Ergonomie im Alltag. Ich war begeistert!
Segmentierung hilft dem Gehirn beim Denken
Welches Prinzip steckt nun hinter den nummerierten Beuteln? Wenn man eine komplizierte, unübersichtliche Aufgabe in überschaubare Teilaufgaben zerlegt, spricht man von Segmentierung. Unser Gehirn tut sich damit leichter, weil es nacheinander „gut verdaubare“ Informationshappen verarbeiten muss, anstatt den ganzen Informationsberg auf einmal. Oder wissenschaftlich gesagt: Segmentierung reduziert kognitive Belastung (Liu, 2024). Besonders, wenn wir uns zum ersten Mal mit einem komplexen Thema beschäftigen – zum Beispiel mit einem neuen Legobausatz –, ist Segmentierung ein hilfreiches Werkzeug (Spanjers, Van Gog und Van Merrienboer, 2012).
Vom Kinderzimmer ins Büro
Wie oft bekommen wir im Büro schier endlos lange Mails mit komplizierten Aufgaben? Und wie viel Zeit verbringen wir dann damit, diese Aufgaben erst einmal in sinnvolle Teilaufgaben zu zerlegen und diese in einen logischen Zusammenhang zu setzen? Und wie oft haben wir selbst schon solche Mails an andere verschickt?
Seit ich die neuen Legotüten zum ersten Mal gesehen habe, bin ich um Besserung bei mir selbst bemüht. Besonders wenn ich Aufgaben an Auszubildende oder neue Kollegen gebe, segmentiere ich diese so gut wie möglich. Zum Beispiel kann ich die Aufgabe „Brief fertig machen“ so auffächern:
- Kopiere den Brief einmal und lege den Brief im Ordner xy ab.
- Stecke das Originalschreiben in einen Umschlag.
- Bring den Brief bis spätestens 14:00 Uhr zur Poststelle.
Experten brauchen diese Detailliertheit natürlich nicht mehr. Trotzdem begegnen wir täglich Themen, die uns neu sind, und dort erleichtert Segmentierung klar den Einstieg.
Fazit: Mit dem Lego-Trick zu mehr Hirnfreundlichkeit
Lego zeigt musterhaft, wie wirkungsvoll Segmentierung sein kann: Wenn wir komplexe Aufgaben in überschaubare Schritte zerlegen, entlasten wir unser Gehirn und machen weniger Fehler. Das Prinzip der Segmentierung hilft nicht nur im Kinderzimmer, sondern auch im Büro.
* LEGO® ist eine eingetragene Marke der LEGO Gruppe, die diesen Beitrag weder sponsert noch unterstützt
Literatur
Liu, D. (2024). The effects of segmentation on cognitive load, vocabulary learning and retention, and reading comprehension in a multimedia learning environment. BMC Psychology, 12(1), Article 4. https://doi.org/10.1186/s40359-023-01467-9
Spanjers, I. A. E., Van Gog, T., & Van Merriënboer, J. J. G. (2012). Segmentation of worked examples: Effects on cognitive load and learning. Applied Cognitive Psychology, 26(3), 352–358. https://doi.org/10.1002/acp.1832