Anmalen – Bekleben – Beschriften

Robert Kellermeier

Anmalen (A), Bekleben (B), Beschriften (B) – das klingt mehr nach Renovierung als nach kognitiver Ergonomie. Allerdings: Wir Menschen nehmen ca. 80 Prozent aller Informationen über unser visuelles Wahrnehmungssystem auf (Schlick, Bruder & Luczak, 2018). Deswegen macht es Sinn, sich mit ABB-Maßnahmen und ihrer Wirkung näher zu beschäftigen (Hollnagel, 2017). Bei allen drei Arten geht es einfach gesagt darum, Gegenstände leichter unterscheidbar und verständlicher zu machen. Unübersichtliche Situationen werden so hirnfreundlicher. Schauen wir uns die ABB-Maßnahmen anhand von einigen Beispielen genauer an:

Anmalen – Fokus mit Farben

Farbige Hervorhebungen und hohe Kontraste machen uns leichter auf einen Gegenstand aufmerksam. Dabei muss das Umweltelement so gestaltet sein, dass es sich optisch stark von anderen Elementen unterscheidet. In Europa verwendet man dafür häufig die Farben Rot, Gelb und Orange. Man spricht auch von Warn- und Signalfarben, da sie Menschen besonders stark auffallen. Im Straßenverkehr finden sich für diese drei Farben viele Beispiele: Feuerwehrtrucks sind rot, ADAC-Autos gelb und Baustellenfahrzeuge orange lackiert. Auch auf der Straße selbst wird mit Rot gearbeitet. An manchen Kreuzungen sind die Fußgängerübergänge rot markiert, sodass sie sich optisch klar vom Rest der Straße unterscheiden.

Bekleben – Markierungen geben Halt

Mit Bekleben ist gemeint, optische Markierung auf oder neben einem Gegenstand anzubringen. Diese Markierungen sind häufig Orientierungshilfen oder sie zeigen symbolisch an, dass etwas verboten ist. So erleichtern im Straßenverkehr Parkplatzmarkierungen und Zebrastreifen die Orientierung. Ein anderes Beispiel sind farbige Streifen auf Glastüren, um nicht versehentlich dagegen zu laufen. Vor Diskotheken, Freizeitparks, Konzerthallen und Check-In-Schaltern an Flughäfen wird mit Absperrbändern der Einlass organisiert.

Beschriften – Schrift zeigt Inhalt

Gegenstände zu Beschriften oder mit Symbolen zu versehen, das machen wir jeden Tag. Im Englischen wird der Begriff Labeling verwendet, der bei uns inzwischen ebenfalls Einzug gehalten hat. Gute Beschriftungen erleichtern die Suche nach Informationen und unterstützen Entscheidungsprozesse. Beispiele hierfür gibt es unzählige: Das WC-Schild an der Toilettentür, der Aufdruck BIO auf dem Eierkarton, die Warnung Achtung: heiß auf dem Kaffeebecher, der Hinweis Diskretion vor einem Bankautomaten usw.

ABB-Maßnahmen als Kosmetik

Natürlich sind ABB-Maßnahmen kein Allheilmittel.  Sie stoßen an ihre Grenzen, wenn der Nutzer farbenblind ist oder schlecht sieht. Um eine Beschriftung zu verstehen, muss der Nutzer zudem lesen können. Weiterhin muss der Nutzer in der Regel wissen, worauf er achten muss, um das ABB-Signal richtig deuten zu können. Ein weiterer Minuspunkt ist, das ABB-Maßnahmen oft eingesetzt werden, um eine an sich unergonomische Gestaltung nachträglich zu korrigieren. Beispielsweise wird ein Notausschalter an einer schlecht einsehbaren Stelle an einer Maschine angebracht. Ihn zu versetzen wäre teuer. Stattdessen wird ein gelber Pfeil mit dem Aufdruck Hier Stopp neben dem Schalter angebracht. Das ist reine Kosmetik, die das eigentliche Problem nicht löst. Um ihre volle Wirkung zu entfalten, sollten ABB-Maßnahmen deswegen von Anfang an als Teil des Gesamtkonzepts in Kombination mit anderen Mitteln für kognitive Ergonomie eingeplant werden.

Fazit: Anmalen, Bekleben & Beschriften bringt’s!

Trotz Einschränkungen leisten ABB-Maßnahmen in Verbindung mit anderen Mitteln einen Beitrag für mehr kognitive Ergonomie in Job und Alltag. Sie sind kostengünstig und schnell umsetzbar. Außerdem können sie leicht angepasst werden, wenn sich das dahinterstehende System ändert. Anmalen, Bekleben und Beschriften führen richtig angewendet zu mehr Hirnfreundlichkeit.

Literatur

Hollnagel, E. (2017). The nitty-gritty of human factors. In S. Shorrock & C. Williams (Eds.), Human factors and ergonomics in practice: Improving system performance and human well-being in the real world (pp. 45–64). CRC Press.

Schlick, C., Bruder, R. & Luczak, H. (2018). Arbeitswissenschaft (4. Aufl.). Berlin: Springer.